Am Samstag, dem 2. August, demonspazieren wir erneut durch Berlin, wieder ab zwölf Uhr vom Heinrichplatz in Kreuzberg aus. Es wird wieder um ein bedingungsloses Grundeinkommen statt "Stütze" gehen. Das ist kein versponnenes Konzept, sondern eine angemessene Form des Sozialstaats in Zeiten hoher Produktivität. Neuerdings gehen verschiedene Politiker mit "Vollbeschäftigung" hausieren. Meinen sie damit Vollbeschäftigung mit Armutslöhnen? Armut und Angst vor der Armut lähmen und untergraben die Solidarität mit anderen, ein Grundeinkommen gäbe die Sicherheit, aus der heraus man sich für viel Nützliches engagieren, sich eine Lohnarbeit suchen, Kinder betreuen und sich als aufgeklärter Staatsbürger betätigen kann. Die kreuzdumme und unverständliche Devise "die Freiheit wagen", die man aus den Programmen unserer Regierungsparteien kennt, bedeuten gegenwärtig: Freiheit für die Gewinner, häufig unüberwindbare Armut für die Verlierer. Nehmen wir die Idee der Freiheit ernst, so müsste ein jeder frei sein, seine Tätigkeit in dieser Gesellschaft zu wählen.
Die Demonstration besteht aus einer Folge von Gesprächen, die wir unterwegs führen. Wer will, geselle sich zu uns, mit Trillerpfeifen und kleinen Plakaten beispielsweise. Es geht nicht wie bei anderen Demonstrationen darum, ein "Macht" zu zeigen, sondern um besagte Gespräche als ein kleiner Beitrag dazu, die politische Erstarrung zu überwinden, deren getreues Bild die große Koalition ist. Wenn nur noch nach dem witschaftlichsten System der Besteuerung gefragt werden darf, ist es beinahe gleich, wer die Antworten gibt.
In den älteren Beiträgen findet sich auch das Flugblatt, das wir bisher verteilt haben.
Dienstag, 29. Juli 2008
Dienstag, 1. Juli 2008
3. Demonstration am Samstag, dem 5. Juli
Am kommenden Samstag, dem 5.Juli, demonstrieren bzw. demonspazieren wir wieder mindestens zu dritt durch die Stadt, um mit möglichst vielen Leuten über ein Grundeinkommen zu reden. Diesmal werden wir ab 12:00 vom Heinrichplatz in Kreuzberg zum Alexanderplatz laufen, um uns dort einer hoffentlich großen Demonstration anzuschließen, die daran erinnert, dass vor 15 Jahren das Asylrecht in seinem Kern beschädigt, ja beinahe abgeschafft wurde.
Wer will, geselle sich etwa mit Trillerpfeifen zu uns.
Die Frage, wie eine moderne Sozialpolitik beschaffen wäre, die Erwerbslose nicht als Nutzlose behandelt, hat nur auf den ersten Blick nichts mit dem Recht auf Asyl zu tun. In Wahrheit ist für eine so produktive und reiche Gesellschaft beides eine Schande: mangelnde Solidarität im Inneren und nach Außen.
Arbeitslosigkeit ist ein ganz normales Phänomen in einer normalen Marktwirtschaft. Stattdessen aber hören wir die Lüge von der Vollbeschäftigung, die nur die Schaffung eines Billiglohnsektors verbrämt, der Armut trotz Arbeit beschert. Obwohl die Maßnahmen sich mit "Hartz IV" verändert haben, ist die Grundhaltung gegenüber der Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten von derselben starrsinnigen Annahme geprägt, jene sei nur eine vorübergehende Betriebsstörung. Arbeitslosigkeit sollte und soll als existenzbedrohend empfunden werden. Einwanderer, Asylbewerber erscheinen dann zwangsläufig als Konkurrenten im Kampf um das so wichtige Gut Lohnarbeit. Auf solchem Boden wuchs die Missgunst, die jene Gesetze ermöglichten, die das bundesrepublikanische Asylrecht aushöhlten.
Das Asylrecht gehörte doch angeblich zu den aus dem Nationalsozialismus gezogenen Lehren? Es hätte auch zu den Lehren zählen können, nicht die Ängste der einen gegen die anderen auszuspielen. Es gibt wohl keine Lehren, außer der Schulbuchweisheit, die 5%-Hürde stabilisiere die Demokratie (Gähnen).
Deshalb ist es eine feine Sache, eine sozialpolitische Miniaturdemonstration in eine große Demonstration einmünden zu lassen, die an die faktische Abschaffung des Asylrechts erinnert.
Wir haben bei den ersten beiden Demonstrationen auch arme Menschen getroffen, die anderen Armen die Schuld zu schieben. Es ist etwas zu leicht, darauf zu stöhnen, die Armen seien wieder mal das Problem. Eine Unterschicht entstehen zu lassen, und dann aus deren schlechter Laune zu schließen, sie habe es verdient, Unterschicht zu sein, so weit haben wir uns hoffentlich noch nicht von einer wirklichen Demokratie in Richtung auf eine Zweidritteldemokratie entfernt.
Wer will, geselle sich etwa mit Trillerpfeifen zu uns.
Die Frage, wie eine moderne Sozialpolitik beschaffen wäre, die Erwerbslose nicht als Nutzlose behandelt, hat nur auf den ersten Blick nichts mit dem Recht auf Asyl zu tun. In Wahrheit ist für eine so produktive und reiche Gesellschaft beides eine Schande: mangelnde Solidarität im Inneren und nach Außen.
Arbeitslosigkeit ist ein ganz normales Phänomen in einer normalen Marktwirtschaft. Stattdessen aber hören wir die Lüge von der Vollbeschäftigung, die nur die Schaffung eines Billiglohnsektors verbrämt, der Armut trotz Arbeit beschert. Obwohl die Maßnahmen sich mit "Hartz IV" verändert haben, ist die Grundhaltung gegenüber der Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten von derselben starrsinnigen Annahme geprägt, jene sei nur eine vorübergehende Betriebsstörung. Arbeitslosigkeit sollte und soll als existenzbedrohend empfunden werden. Einwanderer, Asylbewerber erscheinen dann zwangsläufig als Konkurrenten im Kampf um das so wichtige Gut Lohnarbeit. Auf solchem Boden wuchs die Missgunst, die jene Gesetze ermöglichten, die das bundesrepublikanische Asylrecht aushöhlten.
Das Asylrecht gehörte doch angeblich zu den aus dem Nationalsozialismus gezogenen Lehren? Es hätte auch zu den Lehren zählen können, nicht die Ängste der einen gegen die anderen auszuspielen. Es gibt wohl keine Lehren, außer der Schulbuchweisheit, die 5%-Hürde stabilisiere die Demokratie (Gähnen).
Deshalb ist es eine feine Sache, eine sozialpolitische Miniaturdemonstration in eine große Demonstration einmünden zu lassen, die an die faktische Abschaffung des Asylrechts erinnert.
Wir haben bei den ersten beiden Demonstrationen auch arme Menschen getroffen, die anderen Armen die Schuld zu schieben. Es ist etwas zu leicht, darauf zu stöhnen, die Armen seien wieder mal das Problem. Eine Unterschicht entstehen zu lassen, und dann aus deren schlechter Laune zu schließen, sie habe es verdient, Unterschicht zu sein, so weit haben wir uns hoffentlich noch nicht von einer wirklichen Demokratie in Richtung auf eine Zweidritteldemokratie entfernt.
Dienstag, 17. Juni 2008
Wie die zweite Demonstration war
Wie haben wieder einen heißen Nachmittag lang mit vierzig oder fünfzig Leuten geredet. Diesmal gingen wir längs des Kottbusser Damms. Die schlechte Nachricht ist die, dass junge Menschen, die darauf bauen, sich erfolgreich durchs Leben beißen zu können, mit sozialen Ideen nichts anfangen können. Noch deutlicher ist dies bei gebildeten jungen Leuten, die ihre Kälte argumentereich durch eine Art von Skepsis verbrämen. Die gute Nachricht: Die überwiegende Mehrheit ist nicht kalt, sondern würde sich so etwas wünschen, ist aber außerstande, an die Möglichkeit zu glauben. Wir bekamen zum Beispiel zu hören: "Werdet was im Leben, werdet mächtig, dann könnt ihr was verändern, nicht so wie ich." Eine Demokratie, deren Angehörige politische Veränderungen nur noch als Auswirkung individueller Machtausübung begreifen, wäre als Demokratie gescheitert.
Wir sagen uns immer wieder vor, dass Ideen sich durchsetzen können, denn sie haben sich auch in der Vergangenheit durchgesetzt. Als die ökologische Bewegung anfing, war auch nicht abzusehen, dass der Umweltschutz es einmal zu einem wichtigen politischen Thema schaffen würde. Da wir aber an der allgemeinen Zeitkrankheit leiden, bringt dieses Selbstvorsagen die Zweifel nicht zum Verstummen.
Manche nennen uns auch "Idealisten", und das hilft dann kaum, sich nicht für eine Art Narren zu halten. Spitzenpolitiker, die von Vollbeschäftigung in anständig bezahlter Arbeit reden, sind aber keine "Realisten", sondern in dem schlechten Sinne Idealisten, dass sie ein bloßes Ideal vor sich her tragen, für dessen Verwirklichung sie nichts tun.
Wir sind auch wirklich armen Menschen begegnet. "Es ist ein Schande, dass..." sagen regelmäßig Politiker quer durch alle Parteien über die Armut in Deutschland. Als schlechte Idealisten tun sie aber nichts anderes dagegen, als ihre Entrüstung zu zeigen, während sie den Billiglohnsektor fördern, eine Hauptquelle des neuen alten Phänomens der "arbeitenden Armen."
Realisten sind wir, aber in der Minderheit. Der König ist nackt.
Wir sagen uns immer wieder vor, dass Ideen sich durchsetzen können, denn sie haben sich auch in der Vergangenheit durchgesetzt. Als die ökologische Bewegung anfing, war auch nicht abzusehen, dass der Umweltschutz es einmal zu einem wichtigen politischen Thema schaffen würde. Da wir aber an der allgemeinen Zeitkrankheit leiden, bringt dieses Selbstvorsagen die Zweifel nicht zum Verstummen.
Manche nennen uns auch "Idealisten", und das hilft dann kaum, sich nicht für eine Art Narren zu halten. Spitzenpolitiker, die von Vollbeschäftigung in anständig bezahlter Arbeit reden, sind aber keine "Realisten", sondern in dem schlechten Sinne Idealisten, dass sie ein bloßes Ideal vor sich her tragen, für dessen Verwirklichung sie nichts tun.
Wir sind auch wirklich armen Menschen begegnet. "Es ist ein Schande, dass..." sagen regelmäßig Politiker quer durch alle Parteien über die Armut in Deutschland. Als schlechte Idealisten tun sie aber nichts anderes dagegen, als ihre Entrüstung zu zeigen, während sie den Billiglohnsektor fördern, eine Hauptquelle des neuen alten Phänomens der "arbeitenden Armen."
Realisten sind wir, aber in der Minderheit. Der König ist nackt.
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